J.S. Fletcher

*07.02.1863
30.01.1935

J.S. Fletcher

Der englische Autor Joseph Smith Fletcher wurde am 7. Februar 1863 in Halifax (Grafschaft Yorkshire) geboren. Schon mit acht Monaten wurde er Halbwaise und wuchs auf der Farm seiner Großmutter in Darrington auf. Joseph sollte Anwalt werden, doch er zog den Journalismus vor. 1883 ging Fletcher nach London und nahm eine Stelle als stellvertretender Herausgeber einer Zeitung an. Später kehrte er nach Yorkshire zurück und schrieb dort für diverse Blätter.
Bereits in diesen Jahren entstanden mehrere Bücher. Fletcher wurde bekannt durch Liebes- und Historienromane, aber er schrieb auch Gedichte und verfasste eine ganze Serie von Geschichten im Dialekt seiner Heimat, der Fletcher zeitlebens verbunden blieb. Er war Mitglied der Archäologischen Gesellschaft und verfasste mehrere Sachbücher zur Geschichte von Yorkshire.
Endgültig als freier Autor konnte Fletcher sich nach 1914 etablieren, als er den Kriminalroman als 'sein’ Genre entdeckte, obwohl er bereits zuvor Krimis oder Romane mit Krimi-Elementen geschrieben hatte. Jetzt eignete sich Fletcher systematisch Formen und Figuren des Genres an und steigerte sein ohnehin beachtliches Schreibtempo gewaltig: Durchschnittlich veröffentlichte er fünf Krimis jährlich.
Aufgrund dieses enormen Ausstoßes gleichen sich Fletchers Romane. Plots und Figuren wurden einfach gezeichnet; oft griff der routinierte Autor bereits verwendete und bewährte Szenen wieder auf und montierte sie leicht variiert in neue Werke ein. Der Beliebtheit seiner Bücher tat dies (oder das Nasenrümpfen der Literaturkritik) keinen Abbruch; es gab eine große und treue Leserschaft für diese Romane und Kurzgeschichten. Fletcher achtete darauf, was seine Leser wünschten und richtete sich als Autor danach. Ungeachtet dessen waren es seine leicht konsumierbaren und auf Unterhaltung getrimmten aber gern gelesenen Romane, die den Erfolg des Genres Kriminalroman zu einem Gutteil mit begründeten.
Obwohl er im Schatten bekannter Kriminalschriftsteller wie Agatha Christie oder Edgar Wallace stand, war Fletcher ebenso erfolgreich. Als die Presse verbreitete, dass US-Präsident Woodrow Wilson nach einem Nervenzusammenbruch im Sanatorium zum Krimi »The Middle Temple Murder« (dt. »Das Geheimnis um Mr. Marbury«) gegriffen hatte, wurde Fletcher jenseits des Atlantiks populär. Nach dem I. Weltkrieg gelang ihm auch in Deutschland der Durchbruch. In den nächsten anderthalb Jahrzehnten wurde beinahe jeder neue Fletcher-Krimi übersetzt (und manchmal mit recht absurden Titeln wie »Ein Mann fällt um« oder »Die angefaulte Stadt« versehen).
J. S. starb am 30. Januar 1935. Bis zuletzt war er als Verfasser überaus produktiv; sein Werk umfasste schließlich 237 Romane, davon waren etwa die Hälfte Krimis. Hinzu kamen unzählige Kurzgeschichten, Artikel, Essays, Gedichte und andere Texte. Nachdem keine neuen Kriminalromane mehr erschienen, geriet Fletcher in Vergessenheit. In Deutschland brachte der Ausbruch des Krieges einen zusätzlichen Bruch, der später nicht mehr rückgängig zu machen war. Nach 1945 wurden hierzulande nur noch wenige und alte Titel veröffentlicht. Heute kennen höchstens Genrekenner den Namen J. S. Fletcher, der einst zu den Bestsellern auch des deutschen Krimi-Marktes zählte.
(Quelle: krimi-couch.de)

 
Bücher von J.S. Fletcher
10 Das Teehaus in Mentone 1952
15 Das Haus am Dienstagmarkt 1953
19 Schatten über Nicholas 1953
23 Die verschwundene Chronik 1953
38 Die Kavalier-G.m.b.H. 1954
40 Verbrechen in Mannersley 1954
42 Die doppelte Spur 1954
72 Der einzige Zeuge 1955
240 Der Verschollene 1960
2140 Die verhängnisvolle Brücke
Dirk Hermann 2011